Magdeburg: nicht trauernd, nicht grau, sondern bunt

25.9.2026

yvonnealberts

Magdeburg hat unter den deutschen Städten nicht das beste Image. So mancher denkt an graue Tristesse, wenn er die Stadt zu DDR-Zeiten kennengelernt hat. Oder ...

Magdeburg hat unter den deutschen Städten nicht das beste Image. So mancher denkt an graue Tristesse, wenn er die Stadt zu DDR-Zeiten kennengelernt hat. Oder den historisch Bewanderten fallen die furchtbaren Zerstörungen Magdeburgs im Dreißigjährigen Krieg und im Zweiten Weltkrieg ein. Auch die Trauernde Magdeburg, eine Skulptur, die an das grausame Massaker, das Tillys Truppen in der Stadt anrichteten, erinnert, kommt in den Sinn. Und schließlich der schreckliche menschenverachtende Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt. Und doch ist Magdeburg auch ganz anders: lebendig, bunt und voller spannender Entdeckungen und Menschen, die Haltung zeigen.

Dass Magdeburg nach einer Predigt Luthers 1524 evangelisch wurde, war der Anstoß, der die ökumenische Reisegruppe aus Mönchengladbach dazu bewegte, als nächstes Ziel die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts anzusteuern. Zumal es lokalhistorische Beziehungen zwischen Mönchengladbach und Magdeburg gab, die Lothar Beckers, Presbyter der Christuskirchengemeinde und Gemeindehistoriker, für die Mitreisenden herausarbeitete. Der in Gladbach als Bürgermeistersohn geborene hochgebildete Peter Ulner (auch Petrus Ulnerus genannt) wird 1561 Abt des bedeutenden Klosters Berge bei Magdeburg, in dem er 1565 die Reformation einführte und das er zu neuer Blüte führte.

In der Mitte der Stadt steht früher wie heute der Magdeburger Dom, die Grabkirche Kaiser Ottos des Großen und seiner Frau Editha. Hier wurde auch 2007 die Magdeburger Erklärung zur wechselseitigen Anerkennung der Taufe unter anderen durch Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland unterschrieben. Im Magdeburger Dom, heute evangelische Pfarrkirche, befindet sich ein eindrucksvolles Taufbecken, das Kaiser Otto aus Italien heranschaffen ließ. Es ist heute noch in Gebrauch, wie die Mönchengladbacher anlässlich einer Taufe nach dem Sonntagsgottesdienst erleben konnten. Getauft wurde das jüngste Kind einer Familie, die eigens aus Kanada angereist war. Im Dom, der offiziell St. Mauritius und St. Katharina zu Magdeburg heißt, findet sich mit der Skulptur des Heiligen Mauritius von 1250 auch die älteste bekannte europäische Darstellung eines dunkelhäutigen Afrikaners.

Magdeburg ist eine bunte Stadt mit vielen Facetten, die sich nicht auf AfD und BSW reduzieren lässt. In Gesprächen mit der Studierendengemeinde, die zu einer ökumenischen Gebetsnacht eingeladen hatte, und mit Vertretern der katholischen Initiative Bewusst wählen wurden viele Aspekte deutlich, die zu politischem Frust, aber auch zu besonderem demokratischem Engagement führen.

Ein neueres Wahrzeichen der Stadt Magdeburg, das für Vielfalt, Fantasie und Kreativität steht, ist die Grüne Zitadelle, das letzte Werk Friedensreich Hundertwassers. Es steht im Zentrum der Stadt, ist rund und bunt, begrünt, mit Dachterrassen, Spielplätzen und plätschernden Brunnen.

An vielen Plätzen in Magdeburg begegnet man den Halbkugeln, die an das berühmte Experiment Otto von Guerickes erinnern, mit der er Kraft und Wirkung des Luftdrucks demonstrierte. Auch hier konnten die Mönchengladbacher Reisenden Bezüge zu ihrer Heimatstadt feststellen, denn eine der Darstellungen, die Großplastik der Magdeburger Halbkugeln, stammt von Thomas Virnich, einem Künstler, der nicht nur die Plastik Turmbau zu Babel vor dem Rathaus Abtei geschaffen hat, sondern auch in Mönchengladbach lebt und arbeitet.

Angela Rietdorf